Kreis Schleswig-Flensburg


Das Artenschutzzentrum und Artenhilfsprogramm


Hilfe für gefährdete Arten

Viele Amphibien- und Reptilienarten wie Rotbauchunke, Kreuzkröte, Laubfrosch oder die Zauneidechse sind in Schleswig-Holstein gefährdet oder sogar stark gefährdet. Die Lebensräume dieser Tierarten gehen aus vielfältigen Gründen immer weiter zurück. Zusätzlich sind bestehende Vorkommen oftmals isoliert, so dass neue geeignete Lebensräume nicht eigenständig besiedelt werden können. Daher ist es notwendig, diesen Arten eine Starthilfe zu geben.

Der nur 3-4 cm kleine Laubfrosch klettert mit seiner blattgrünen Farbe gut getarnt in sein Versteck (links). Ein Zauneidechsenpärchen sonnt sich auf sonnenerwärmten Steinen - Das Männchen färbt sich zur Paarungszeit teilweise leuchtend grün (Mitte). Die Kreuzkröte ist in ihrem bevorzugt sandig-trockenem Lebensraum kaum zu erkennen (rechts).

Das Artenschutzzentrum in Eggebek

Rotbauchunken, Kreuzkröten, Laubfrösche und Zauneidechsen werden im Rahmen des Artenhilfsprogrammes des Kreises Schleswig-Flensburg unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen und in geeigneten neuen Lebensräumen ausgesetzt.

Das Artenschutzzentrum entsteht zurzeit auf dem Gelände des ehemaligen Tanklagers in Eggebek. Auf ca. 65 m² sind Wannen für die Amphibienaufzucht sowie Gehege für Zauneidechsen untergebracht.

Enttarnt - Das Gebäude des neuen Artenschutzzentrums ist kaum wieder zu erkennen. Verstecken werden sich hier zukünftig nur die Zauneidechsen (erste Bildreihe). Die Außengehege wurden mit natürlichen Materialien gestaltet: Exponierte Sonnenplätze, aber auch viele Versteckmöglichkeiten und Sandflächen sollen ideale Lebens- und Zuchtbedingungen für die Eidechsen schaffen (zweite Bildreihe).

Aufzucht unter kontrollierten Bedingungen

Für die Aufzucht der Amphibien werden Laichballen gesammelt und unter optimalen Bedingungen in Aufzuchtbecken aufgezogen. Auf diese Weise überleben nahezu alle Kaulquappen, bis sie die Entwicklung zum erwachsenen Tier abgeschlossen haben. Die Zauneidechsen werden als adulte Tiere gefangen und sollen sich in den angelegten Gehegen vermehren. Hier finden Sie Unterschlupf, Verstecke, geeignete Partner und vor allem keine Feinde.

Es werden ausschließlich Laichballen bzw. Tiere aus Lebensräumen entnommen, die über eine stabile und große Population verfügen. Wenn die Kaulquappen in den Aufzuchtbecken ihre Verwandlung zum erwachsenen Tier bzw. die jungen Zauneidechsen eine ausreichende Größe erreicht haben, werden die Jungtiere wieder in die Natur entlassen.

Die Aufzucht des Laichs von Kreuzkröte, Laubfrosch und Co. darf nur durch Experten erfolgen und bedarf einer Genehmigung vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Das private Entnehmen von Froschlaich aus der Natur ist gesetzlich verboten.

Neue Lebensräume - hohe Anforderungen

Solch gezielte Artenhilfsmaßnahmen machen jedoch nur Sinn, wenn die aufgezogenen Amphibien in Lebensräume ausgesetzt werden, die die Möglichkeit für die zukünftige Bildung einer ausreichend großen Population bieten. Ziel ist die Bildung von Vorkommen, die sich auf Dauer selbst erhalten. Die Voraussetzungen dafür sind ausreichend große Lebensräume, die untereinander verbunden sind und geeignete Lebensbedingungen für die entsprechenden Arten bieten. Die Ansprüche sind vielseitig und beziehen sich z. B. auf Landschaftsstruktur, Nahrungsvorkommen und Jagdreviere, Paarungsflächen sowie Überwinterungsquartiere.

Der Kreis Schleswig-Flensburg setzt sich im Rahmen des Integrierten Umweltprogrammes für die Schaffung und den Erhalt natürlicher Lebensräume ein. Mehr dazu finden Sie in der gleichnamigen Rubrik dieser Webseite.