Kreis Schleswig-Flensburg


Das Artenschutzzentrum und Artenhilfsprogramm


OFFIZIELLER BESUCH – Robert Habeck besucht das Artenschutzzentrum und ARTEN EDEN

Vizekanzler, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag des Wahlkreises 1 Flensburg-Schleswig  Robert Habeck war Anfang Mai 2022 in Eggebek zu Gast, um sich ein Bild von den erfolgten Maßnahmen zu machen. Mit von der Partie waren ein Teil seines Teams aus Berlin/Flensburg sowie am Projekt beteiligte Mitarbeiter des Kreises Schleswig-Flensburg.

Thorsten Roos, Leiter des Fachbereiches Regionalentwicklung, Bau und Umwelt sowie Leiter des Fachdienstes Umwelt führte durch das Artenschutzzentrum und den benachbarten Wildstaudengarten ARTEN EDEN und  erläuterte den interessierten Gästen die Zusammehänge und sichtbaren Highlights auf dem Gelände.

 

Hilfe für gefährdete Arten

Viele Amphibien- und Reptilienarten wie Rotbauchunke, Kreuzkröte, Laubfrosch oder die Zauneidechse sind in Schleswig-Holstein gefährdet oder sogar stark gefährdet. Die Lebensräume dieser Tierarten gehen aus vielfältigen Gründen immer weiter zurück. Zusätzlich sind bestehende Vorkommen oftmals isoliert, so dass neue geeignete Lebensräume nicht eigenständig besiedelt werden können. Daher ist es notwendig, diesen Arten eine Starthilfe zu geben.

Der nur 3-4 cm kleine Laubfrosch klettert mit seiner blattgrünen Farbe gut getarnt in sein Versteck (links). Ein Zauneidechsenpärchen sonnt sich auf sonnenerwärmten Steinen - Das Männchen färbt sich zur Paarungszeit teilweise leuchtend grün (Mitte). Die Kreuzkröte ist in ihrem bevorzugt sandig-trockenem Lebensraum kaum zu erkennen (rechts).

Das Artenschutzzentrum in Eggebek

Rotbauchunken, Kreuzkröten, Laubfrösche und Zauneidechsen werden im Rahmen des Artenhilfsprogrammes des Kreises Schleswig-Flensburg unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen und in geeigneten neuen Lebensräumen ausgesetzt.

Das Artenschutzzentrum ist 2021 auf dem Gelände des ehemaligen Tanklagers in Eggebek entstanden. Auf ca. 65 m² sind Wannen für die Amphibienaufzucht sowie Gehege für Zauneidechsen untergebracht.

Enttarnt - Das Gebäude des neuen Artenschutzzentrums ist kaum wieder zu erkennen. Verstecken können sich hier zukünftig nur die Zauneidechsen (erste Bildreihe). Die Außengehege wurden mit natürlichen Materialien gestaltet: Exponierte Sonnenplätze, aber auch viele Versteckmöglichkeiten und Sandflächen sollen ideale Lebens- und Zuchtbedingungen für die Eidechsen schaffen (zweite Bildreihe).

Die Volieren der Zauneidechsen sind einzugsfertig - Liebevoll wurden vielfältige Strukturen angelegt, um geeignete Lebensräume und günstige Zuchtbedingungen zu schaffen (Mitte). Im Inneren des Gebäudes hat der erste Laich der Kreuzkröte Kaulquappen-Stadium erlangt. In getrennten Becken werden die verschiedenen Arten und Stadien zielorientiert betreut (rechts).

Aufzucht unter kontrollierten Bedingungen

Für die Aufzucht der Amphibien werden Laichballen gesammelt und unter optimalen Bedingungen in Aufzuchtbecken aufgezogen. Auf diese Weise überleben nahezu alle Kaulquappen, bis sie die Entwicklung zum erwachsenen Tier abgeschlossen haben. Es werden ausschließlich Laichballen bzw. Tiere aus Lebensräumen entnommen, die über eine stabile und große Population verfügen. Wenn die Kaulquappen in den Aufzuchtbecken ihre Verwandlung zum erwachsenen Tier durchlaufen haben, werden die Jungtiere wieder in die Natur entlassen.

Aktuell hat die erste Zuchgeneration der Rotbauchunken, Kreuzkröten und Laubfrösche den Zyklus durchlaufen. Die Amphibien werden derzeit mit guten Ernährungszustand in geeignete Lebensräume ausgesetzt.

Die Zauneidechsen werden als adulte Tiere gefangen und sollen sich in den angelegten Gehegen vermehren. Hier finden Sie Unterschlupf, Verstecke, geeignete Partner und vor allem keine Feinde. Sobald die jungen Zauneidechsen eine ausreichende Größe erreicht haben, werden die Jungtiere wieder in die Natur entlassen.

Üblicherweise beginnt die Winterruhe bei Zauneidechsen, je nach Alter und Geschlecht, Ende August und ab September. Je nach Wetterlage sind manche Individuen noch bis in den Oktober hinein aktiv. Für die Winterruhe vergraben sie sich in tiefere Sandschichten oder verstecken sich in frostfreie Steinhaufen, Baumstümpfen oder Totholz.

Die Aufzucht des Laichs von Kreuzkröte, Laubfrosch und Co. darf nur durch Experten erfolgen und bedarf einer Genehmigung vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Das private Entnehmen von Froschlaich aus der Natur ist gesetzlich verboten.


Derzeit befinden sich zwei adulte männliche und vier adulte weibliche Zauneidechsen in einem Gehege. Zudem teilen sich sieben Jungtiere (Schlupf in 2021) ein eigenes Gehege. Außerdem: Bisher haben sich ein Männchen und ein Weibchen gepaart. Das tragende Weibchen wird vermutlich demnächst ihre Eier in ein dafür optimiertes Terrarium ablegen.

Neue Lebensräume - hohe Anforderungen

Solch gezielte Artenhilfsmaßnahmen machen jedoch nur Sinn, wenn die aufgezogenen Amphibien in Lebensräume ausgesetzt werden, die die Möglichkeit für die zukünftige Bildung einer ausreichend großen Population bieten. Ziel ist die Bildung von Vorkommen, die sich auf Dauer selbst erhalten. Die Voraussetzungen dafür sind ausreichend große Lebensräume, die untereinander verbunden sind und geeignete Lebensbedingungen für die entsprechenden Arten bieten. Die Ansprüche sind vielseitig und beziehen sich z. B. auf Landschaftsstruktur, Nahrungsvorkommen und Jagdreviere, Paarungsflächen sowie Überwinterungsquartiere.

Der Kreis Schleswig-Flensburg setzt sich im Rahmen des Integrierten Umweltprogrammes für die Schaffung und den Erhalt natürlicher Lebensräume ein. Mehr dazu finden Sie in der gleichnamigen Rubrik dieser Webseite.