Neue Lebensräume


Maßnahmen


Maßnahmen und Landschaftspflege

Um bestehende Naturflächen zu erhalten und neue Flächen zu natürlichen Lebensräumen zu gestalten, bedarf es unterschiedlicher baulicher Maßnahmen und Formen der Landschaftspflege.

So kann es sein, dass neue Flächen zu Beginn „Baustellen“ ähneln. Bis die Fläche ihr neues Gesicht, auch im Sinne einer „schönen Landschaft“ erhält, braucht es viel Geduld und Pflege.

Die häufigsten Maßnahmen und ihre Ziele

Erd- und Zaunarbeiten
Die Anlage von Gewässern und Knickwällen, die Verfüllung von Entwässerungsgräben und die Schaffung sandgeprägter Rohböden sowie der Bau von Vieh- und Wildschutzzäunen erfolgt mittels Einsatz geeigneter Bagger.

Derartige Maßnahmen gehören zu den häufigen Biotopmaßnahmen auf Naturschutzflächen. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Erhöhung der ökologischen Wertigkeit und damit der Vielfalt an bedrohten Tier- und Pflanzenarten.

Umwandlung von Acker in artenreiches Grünland
Ackerflächen nehmen einen immer größeren Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Die Folge ist u.a. die Zunahme von Wind- und Wassererosion, der drohende Verlust an Humussubstanz und die Monotonisierung der Kulturlandschaft.

Die Umwandlung von Ackerland in artenreiches Grünland verhindert die oben genannten Beeinträchtigungen und bewirkt die Aufwertung der Kulturlandschaft. Gleichzeitig wird ein Beitrag zur biologischen Vielfalt sowie zum Klima-, Boden- und Gewässerschutz geleistet.

Vielfalt säen mit Regiosaat
Folge des starken Rückgangs artenreicher Grünlandflächen ist die zunehmende Bedrohung vieler Wildblumen. Die regelmäßige Aussaat gebietsheimischer (autochthoner) Artenmischungen auf Rohböden im Rahmen von Umwandlung von Ackerflächen und Biotopmaßnahmen leistet einen bedeutsamen Beitrag zum Erhalt und Erhöhung der biologischen Vielfalt. Das Ausbringen von teilweise stark bedrohten Pflanzenarten sichert u.a. das Vorkommen einer Vielzahl von Insektenarten. Auch artenarmes Grünland kann durch das Einschlitzen von Regiosaat in die geschlossene Grasnarbe zu artenreichen Wiesen und Weiden umgestaltet werden.

Wiedervernässung
Die Entwässerung von Feuchtwiesen und Mooren bewirkt einen dramatischen Rückgang typischer Tier- und Pflanzenarten, die Freisetzung von Nährstoffen und klimaschädlichen Gasen, den sukzessiven Abbau der organischen Bodensubstanz und den Verlust der Wasserspeicherfähigkeit.

Die Entwässerung mineralischer Böden und vieler kleiner Geländesenken auf landwirtschaftlichen Nutzflächen erhöht zusätzlich die Gefahr von Hochwasserereignissen und durch die erhöhten Fließgeschwindigkeiten in den Bächen und Flüssen verstärkte Sedimentation. Kiesbänke werden dadurch übersandet und verlieren so u.a. ihre Funktion als Laichbetten für Fische und Rundmäuler. Wiedervernässungen durch Grabenverfüllungen sowie Rückbau von Drainagen im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen stellen den natürlichen Bodenwasserhaushalt wieder her und wirken so den beschriebenen Folgen entgegen. Sie sind eine wichtige Voraussetzung zur Schaffung von Stillgewässern sowie Naturlandschaften oder naturnahen Kulturlandschaften und leisten einen wirksamen Beitrag zum vorsorgenden Hochwasserschutz.

Stillgewässer anlegen
Stillgewässer bieten je nach Größe, Struktur und Lage einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Die Anlage von flachen, sonnenexponierten und randlich beweideten Kleingewässern bietet unter anderem verschiedenen bedrohten Amphibienarten wie Kammmolch, Kreuzkröte oder Laubfrosch einen optimalen Lebensraum. Die Neuanlage von standortangepassten Nebengewässern mit Altarmcharakter an geeigneten Fließgewässern schafft ebenfalls hochwertige Lebensräume für eine Vielzahl von Wasserorganismen. Insbesondere die Kinderstube verschiedener Fischarten findet in den strömungsberuhigten, flachen Gewässern ideale Aufwuchsbedingungen.

Fließgewässer renaturieren
Fließgewässer haben neben ihrer Funktion als Vorflut (Wasserabfluss) auch als Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten eine wichtige ökologische Bedeutung. Diese wird gewährleistet durch eine naturnahe Gewässerstruktur (randliche Gehölze, Totholz, naturraumspezifische Uferausbildungen sowie Solformen und -substrate) und geringe Nähr- und Schadstoffbelastungen.

Gewässerökologische Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung dieser Strukturen und Erhöhung der biologischen Selbstreinigungskräfte. Dadurch werden hochwertige Lebensräume für eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Ein wirksamer Fließgewässerschutz muss die an das Gewässer angrenzenden Talräume durch begleitende Maßnahmen (z.B. Extensivierung, Vernässung und Auenwaldbildung) einbeziehen.

Feldgehölze pflanzen
Feldgehölze bereichern die intensiv genutzte Kulturlandschaft und sind wichtige Trittsteinbiotope sowie Brutplätze (z.B. für die Goldammer und den Neuntöter). Zudem bereichern sie mit ihrem reichhaltigen Angebot an Blüten und Früchten je nach Artenzusammensetzung ganzjährig das Nahrungsangebot einer Vielzahl von Tierarten und bieten ihnen Schutz vor Wind und Fressfeinden sowie wertvolle Überwinterungsquartiere. Die randlichen Säume bieten zudem je nach Himmelsrichtung wichtige Standorte für Licht oder Schatten liebende Stauden und Altgrasbestände. Die Anlage von gebietsheimischen Feldgehölzen auf geeigneten Flächen ist daher ein wichtiger Bestandteil der Naturschutzmaßnahmen.

Knicks anlegen
Knicks sind ein landschaftsprägendes Markenzeichen Schleswig-Holsteins. Sie dienen als wichtige Vernetzungselemente und wertvolle Lebensräume für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verminderung der Winderosion. Die Aufwertung und Neuanlage von Knicks sind wirkungsvolle Maßnahmen zur Wiederherstellung der historischen Knicklandschaft mit ihrer typischen Tier- und Pflanzenvielfalt.

Bäume pflanzen
Neben ihrer ästhetischen und prägenden Wirkung auf das Landschaftsbild besitzen Bäume zahlreiche ökologische Funktionen wie Aufnahme von Schadstoffen, Sauerstoffproduktion, Erosions-, Wind-, Sicht- und Lärmschutz, Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und nicht zuletzt Nahrungsquelle, Bruthabitat sowie Lebensraum einer Vielzahl von Tier-, Pilz-, und Flechtenarten. Die Pflanzung neuer Bäume leistet dafür einen wichtigen Beitrag.

Mikrohabitate errichten
Mikrohabitate sind kleine künstlich geschaffene „Wohnräume“ für Tierarten. Mikrohabitate erhöhen die strukturelle Vielfalt in unterschiedlichen Lebensräumen und dienen verschiedenen Tierarten als Ort der Nahrungsaufnahme, der Fortpflanzung, dem Schutz vor Fressfeinden und als Überwinterungsquartier. Auf Naturschutzflächen werden daher Stein- und Totholzhaufen angelegt sowie Vogel-und Fledermauskästen aufgehängt. Insektenhotels können im Einzelfall das Angebot vervollständigen. In Fließgewässern werden zudem gezielt Totholz eingebracht und Kiesbänke angelegt. Die Schaffung von Mikrohabitaten ist aktiver Artenschutz und trägt entscheidend zur Ansiedlung und zum Bestand gefährdeter Arten bei.